Ein Videocall nach dem anderen, nach Dienstschluss im Homeoffice noch schnell ein Workout via App, abends die Lieblingsserie auf der Streaming-Plattform des Vertrauens. Zwischendurch immer wieder der Blick in die sozialen Netzwerke. So oder so ähnlich sieht der Alltag vieler Menschen aktuell aus. Die digitale und analoge Welt in Einklang zu bringen wird zur Herausforderung. Dabei kann bewusste Offline-Zeit auch dabei helfen, produktiver und kreativer online zu sein.

Ist Digital Detox schon überholt?

Detox ist die Abkürzung für Detoxification und bedeutet übersetzt so viel wie Entgiftung. Meist ist damit die Entschlackung des Körpers gemeint – entweder durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder auch mithilfe von Tees oder Kuren. In diesem Zusammenhang hat sich in den letzten Jahren auch der Begriff „Digital Detox“, also der bewusste Verzicht auf digitale Geräte sowie Medien über einen bestimmten Zeitraum, zum Trend entwickelt. Heute ist man sich allerdings einig, dass eine radikale Nulldiät unseres Digitalkonsums, wie es bei Digital Detox oft der Fall ist, auf lange Sicht wenig bringt. Ist digitales Fasten daher eigentlich schon wieder ein alter Hut?

Nicht ganz. Gerade mit der Zunahme des Arbeitens von zu Hause aus und einem dadurch gesteigerten Onlinekonsum rückt die Frage nach einem bewussteren Digitalverhalten mehr denn je wieder in den Fokus. Mit einem Unterschied: Statt vollständiger digitaler Askese raten Experten heute zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen off- und online, da es zu nachhaltigeren Ergebnissen führt. Statt digitaler Entgiftung heißt es also heute: ab in die digitale Balance.

Zwei Menschen unterhalten sich, während ihre Handys beiseite liegen.
Viele Stunden vor dem PC oder am Smartphone bringen uns aus dem Gleichgewicht, digitale Pausen sind wichtiger denn je.
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Pausetaste statt Notausschalter

Die Digitalisierung macht es uns einfacher, Distanzen zu überwinden und Menschen miteinander zu vernetzen. Es entstehen neue Freiräume, die viele Vorteile für uns haben. Wir müssen nur wissen, wie wir sie bestmöglich nutzen können. Beispielsweise fällt es uns mit gezielten Offlinepausen leichter, neue Energie zu tanken, die uns auch im Onlinemodus effizienter und konzentrierter macht. Indem wir unser Nutzerverhalten also grundlegend anpassen, beugen wir Situationen vor, die in uns den Wunsch wecken, eine Zeit lang komplett auf die digitale Welt verzichten zu wollen.

Onlineverhalten auf dem Prüfstand

Aber wie klappt es nun mit der digitalen Balance? Zunächst sollten wir unseren eigenen Medienkonsum auf den Prüfstand stellen und einschätzen, was uns guttut und was nicht. Es gilt, langsam neue Routinen zu entwickeln und diese Schritt für Schritt in den Alltag zu integrieren.

Frau entspannt auf der Couch und sieht in die Ferne.
Das eigene digitale Verhalten zu prüfen, ist von Zeit zu Zeit wichtig.
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In drei Schritten zur digitalen Balance 

1. Ziel definieren

Zunächst sollten wir ehrlich zu uns sein und uns damit befassen, wie sich der aktuelle digitale Konsum auf unsere Stimmung auswirkt. Fühlen wir uns manchmal gestresst durch Smartphone und Co. – dann sind das genau die Momente, an denen man vielleicht etwas ändern sollte. Wir definieren, wann uns die Onlinewelt zu guten Gefühlen verhilft und wann Unbehagen ausgelöst wird. Triggerpunkte werden festgehalten und im Anschluss neue persönliche Leitlinien festgelegt.

2. Sanfte Umsetzung im Alltag

Stecker raus, Smartphone aus – ganz so einfach ist es eben nicht. Anhand unserer definierten Ziele sollten wir uns nun überlegen, wie sich eine Umsetzung einfach und gut in den Alltag integrieren lässt. Hier können auch die guten alten Digital-Detox-Tipps eine Hilfe sein. Besonders bewährt haben sich zum Beispiel handyfreie Stunden oder die Einrichtung von smartphonefreien Zonen in der Wohnung.

3. Sich nicht unter Druck setzen

Um in digitale Balance zu kommen, muss man sein Leben nicht von heute auf morgen auf den Kopf stellen. Gewohnheiten, die über Jahre in unser Leben gefunden haben, sind verständlicherweise hartnäckig. Kleine Schritte nach und nach erzielen ebenso Wirkung. So kann es hilfreich sein, erst einmal mit der Organisation des Homeoffice-Bereichs zu beginnen. Ein ungestörter Arbeitsbereich ist ein guter Anfang, um eine räumliche Trennung zwischen Privatleben und Arbeit vorzunehmen. Hilfreich können auch fixe zeitliche Slots sein, in denen man nicht erreichbar ist, um Zeit für eine digitale Pause zu haben oder ungestört zu arbeiten.