Zucker, Süßstoffe und Co. 

Die Zuckerfallen der sogenannten versteckten Zucker schlagen unvermeidlich zu – entweder in klassischen Genussmitteln wie Softdrinks, Alkohol und Süßigkeiten, oder aber unerwartet in Lebensmitteln wie Fertigkrautsalat oder Saucenbinder. Etwa 36 Kilo Zucker pro Person nehmen die Österreicherinnen und Österreicher so durchschnittlich pro Kopf und Jahr zu sich. Das sind umgerechnet 25 Stück Würfelzucker täglich.

Dass dieser hohe Zuckerkonsum der Gesundheit schadet, ist kein Geheimnis. Süßer Geschmack ist allerdings etwas, worauf wir nur schwer verzichten mögen. Was sich daher anbietet, sind Zuckerersatzstoffe – also meist chemische Verbindungen, die das gleiche oder ein ähnliches Geschmackserlebnis erzeugen wie der „natürliche“ Zucker: Süßstoffe. Um die ranken sich allerdings eine Reihe von Gerüchten: Manche seien krebserregend, wird behauptet, andere würden die Lust auf Süßes nur noch mehr anregen. Wieder andere behaupten, Süßstoffe sollen das Hungergefühl verstärken.

Die gute Nachricht: Keine dieser Behauptungen über die herkömmlichen Süßstoffe ist wissenschaftlich erwiesen. Was hingegen erwiesen scheint, ist, dass Süßstoffe als Alternative zu Zucker bei Gewichtsabnahme und beim Halten von Gewicht nützlich sein können. Zahlreiche Studien zeigen: In der zugelassenen Dosierung haben Süßstoffe keinen negativen Einfluss auf Appetit, Insulin- und Glukosespiegel - das heißt: Sie verstärken weder Hunger noch Sättigung.

EXPERTENTIPP
Süßstoffe sind also hervorragend geeignet, um Übergewicht abzubauen. Sandra Waller-Liebermann, Universitätsprofessorin an der medizinischen Universität Graz, bringt in einem 2016 im Verlagshaus der Ärzte publizierten Artikel zum Thema Süßstoffe folgendes Beispiel: „Angenommen, jemand trinkt gewohnheitsmäßig täglich drei Tassen Kaffee mit je einem Stück Würfelzucker: Alleine durch den Ersatz dieser Zuckermenge durch Süßstoff ließe sich in einem Jahr eine Kalorienmenge einsparen, die rund 2,5 Kilogramm Körperfett entspricht.“ Aus diesem Grund wird Zucker auch bei Adipositastherapien durch Süßstoffe ersetzt. Man darf allerdings nicht der Versuchung erliegen, zu glauben, dass der Süßstoff dünner macht – das tut er nämlich nicht. Er hilft nur, auf Zucker zu verzichten; und dieser Verzicht macht schlanker.

 

5 Dinge, die passieren, wenn du auf Zucker verzichtest

  1. Weniger Tagesmüdigkeit: Klingt paradox, ist aber Tatsache: Nach dem Genuss eines hochkalorischen Lebensmittels fällt der Blutzuckerspiegel bald wieder ins Bodenlose; man wird müde. Verzichtet man auf Süßigkeiten & Co, ist man tagsüber einfach fitter – und auch das Schlafverhalten in der Nacht verbessert sich.
  2. Besseres Hautbild: Zucker fördert Entzündungen, also leistet er auch der Entstehung von Pickeln Vorschub. Studien beweisen, dass Zuckerverzicht die Haut frischer und Jünger aussehen lässt.
  3. Stabilerer Gemütszustand: Zucker kann mitunter ähnlich euphorisierend wirken, wie es Drogen auf Drogensüchtige tun. Nach jeder Euphorie fällt man aber in eine kleine Depression. Wer also den Zuckerentzug schafft, ist à la longue ausgeglichener.
  4. Kreislaufprobleme lösen sich: Wenn man konsequent Zucker vermeidet, bleibt auch der Blutzuckerspiegel konstant; die Insulinproduktion hält sich im Rahmen, der Blutdruck ebenfalls – und das entlastet den gesamten Kreislauf.
  5. Abnehmen wird leichter: Dass man bei konsequentem Verzicht auf Zucker Gewicht verliert, ist bekannt. Wer nur 200 Zuckerkalorien täglich einspart, wird zumindest rechnerisch in einem halben Jahr um etwa fünf Kilo leichter.    


Eine weitere häufige, nichtsdestoweniger falsche Annahme ist die, dass das Zusichnehmen von Süßstoffen dem Gehirn vorgaukeln würde, dass Zucker konsumiert werde – worauf das Gehirn wie bei tatsächlicher Aufnahme von Zucker mit einem erhöhten Verlangen nach Zucker reagieren würde. Dieser Irrtum beruht auf der Beobachtung einer Studie, bei der Probanden, die vorher Sprite Zero zu sich genommen hatten, sich eher eine Süßigkeit zum mit nachhause nehmen aussuchten, als diejenigen, die zuckerhaltiges Sprite oder Wasser getrunken hatten. Der daraus gezogene Schluss war schlicht falsch – in weiterführenden Studien konnte keine Korrelation zwischen Süßstoff und dem Verlangen nach Süßem bewiesen werden.

Um als Süßstoff zugelassen zu sein, muss ein Stoff eine Reihe beinharter Tests überstehen. Nur 11 Süßstoffe haben das Kunststück, von der EFSA, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, als gesundheitlich unbedenklich eingestuft zu werden, bislang zuwege gebracht. Darauf kann man sich dann aber auch verlassen: „Auch nach der Zulassung werden diese Süßstoffe kontinuierlich von einem Expertengremium anhand aktueller wissenschaftlicher Literatur überprüft!, so Prof. Wallner-Liebmann.

 

Croissant mit Kaffee
Süßstoffe als Zuckerersatz sind keine Erfindung der Moderne: Schon um 1900 experimentierte man intensiv mit synthetischem Süßstoff.
Alex - unsplash
Fructose, also Fruchtzucker, hat den gleichen energetischen Wert wie Zucker. Darum glaubte man lange, dass Fructose ein idealer Zuckerersatzstoff sei. Heute gilt als erwiesen, dass Fructose außerhalb der normalen Kalorienzufuhr im Übermaß genossen schwere Schäden hervorrufen kann.
Sara Dubler - unsplash
Dame im Fitnessstudio
Achtung Sportler: Wer viel Sport betreibt, benötigt viel Energie. Zucker ist der Energielieferant schlechthin. In Zeiten erhöhter körperlicher Belastung Zucker ganz durch Süßstoff zu ersetzen, könnte also kontraproduktiv sein.
Sam Robinson
Es gibt 11 zugelassene Süßstoffe in der EU: Acesulfam, Advantam, Aspartam, Aspartam-Acesulfam-Salz, Cyclamat, Neohesperidin DC, Neotam, Saccharin, Steviolglycoside („Stevia“), Sucralose, Thaumatin
Stevia gilt als „natürlicher“ Süßstoff. Es ist erst ab 2011 zugelassen und eine 7000 bis 13.000 mal stärkere Süßkraft als Zucker.
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