Wer sich in einem Kaffeehaus gemütlich einen großen Braunen oder einen kleinen Espresso bestellt, denkt meistens nicht daran, dass er eine Substanz genießerisch aufnimmt, die sportliche Leistungen kraftvoll unterstützen kann.

Das im Kaffee und Tee enthaltene Koffein ist zwar als „Aufweckersubstanz“ durchaus bekannt. Kommt doch kaum ein Western ohne Kaffeeszene nach einem langen Ritt am Lagerfeuer aus, statt Whiskey braucht der Revolverheld „seinen“ Kaffee. Und wer Italiens rennradfahrende Gentlemen kennt, die auf der Strecke einen Espresso nach dem anderen kippen, kommt dem ausdauerfördernden Effekt der Kaffeebohne schon auf die Spur.

Kaffeetasse und Koffeinpflanze
Kaffee soll unter anderem auch das Hungergefühl dämpfen, bei Kopfschmerzen helfen und das Diabetesrisiko senken sowie einen positiven Einfluss auf das Nervensystem haben.
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Die Wirkung des Koffeins auf den Körper
Der wissenschaftliche Name des Koffeins ist Trimethylxanthin, den man sich aber auch nach vielen Espressi niemals wird merken können. Also: Reden wir über Koffein, den wesentlichen Bestandteil von Kaffee, Tee, Nahrungsergänzungsmitteln, Sportnahrung und diversen Energy Drinks. Koffein stimuliert das Nervensystem und hält wach, indem es antagonistisch – also entgegenwirkend – zur Wirkung des körpereigenen Moleküls Adenosin fungiert.

Da Koffein die beruhigende Wirkung des Moleküls Adenosin blockiert, bleiben Ermüdungserscheinungen aus. Koffein verkürzt so das Leistungstief nach dem Mittagessen und steigert die Konzentrationsfähigkeit. Ungefähr 30 Minuten nach dem Genuss eines koffeinhaltigen Nahrungsmittels erreicht das Koffein seine maximale Wirkung, die bis zu vier Stunden lang anhält.

Koffein und Sport
Wichtig für Ausdauersportler wie Wanderer, Biker, Outdoor-Abenteurer, die ihre Energie hauptsächlich im aeroben Bereich (das ist der unterschwellige Belastungsbereich, wenn Sauerstoff zur Verbrennung von Kohlehydraten und Fetten verbraucht wird – der Bereich, in dem man noch recht locker plaudern kann) brauchen: Koffein wird ebenfalls eine fördernde Wirkung auf den Fettstoffwechsel bescheinigt, was die Energiespeicher in den Muskeln schont, und eine schmerzlindernde Wirkung nach intensiven Belastungen nachgesagt.

Zwei Frauen sporteln.
Ein Kaffee vor dem Sport soll die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen.
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Koffein entspannt auch die Atemmuskulatur. Menschen, die bei Belastung unter Asthma leiden, profitieren davon. Laut klinischen Tests klagen sie beim Training deutlich weniger über Atemnot, Husten und andere Symptome. Koffein ist durch seine antidepressive Wirkung auch für die Psyche positiv wirksam und erhöht die Motivation für den nächsten Workout und die nächste körperliche Belastung. Allgemein haben Studien ergeben, dass bis zu fünf Tassen Kaffee lebensverlängernd wirken können.

Die Dosis macht das Gift
Koffein hat wie jede Substanz, die auf Körper und Geist wirkt, eine oder mehrere Schattenseiten. Koffein wirkt harntreibend und beeinflusst unseren Wasserhaushalt. Sprich: Bei Belastungen muss man nach Koffeingenuss mehr Wasser trinken, um nicht zu dehydrieren (und WC-Aufenthalte einplanen). Das beruhigende Molekül Adenosin, dem Koffein entgegenwirkt, weitet normalerweise auch die Blutgefäße und vermehrt den Blutfluss zum Herzen. Bei der Aufnahme von Koffein wird dieser Effekt unterbunden. Menschen mit einem kardio-vaskulären Risikofaktor wie Bluthochdruck, Arteriosklerose oder einem Herzleiden sollten deshalb auf Koffein auf jeden Fall verzichten. Eine Überdosis Koffein in Form von Energy-Drink-Gelagen hat ebenso bewiesen eine massiv schädliche Wirkung.

Kaffeetasse mit Kaffee
Koffein fördert die Wachheit und Aufmerksamkeit durch die Aktivierung der Gehirnzellen.
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TIPP

WIE VIEL KOFFEIN KANN MAN TÄGLICH ZU SICH NEHMEN?

1 Espresso: enthält ca. 70 mg Koffein
Untergrenze (min. Wirkung): Körpergewicht in mg
Obergrenze (max. Verträglichkeit): Körpergewicht x 5 in mg

Beispiel:
Mit 70 kg kann ein gesunder Mensch zwischen 70 mg (1 Espresso) und maximal! 350 mg (5 Espressi) Koffein täglich zu sich nehmen.