Bäume tun uns gut: Studien zufolge soll die Immunabwehr nach einem Tag im Wald sogar um 40% besser sein. Die University of Chicago konnte nachweisen, dass Bäume den Blutdruck und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Wer sich also im Wald aufhält, tut seiner Gesundheit Gutes – die Japaner haben das schon länger erkannt.

Neben positiven Effekt auf Immunsystem und Körper, wirkt die Kraft des Waldes auch auf die Seele. Zu den weiteren Vorteilen zählen Verbesserung der Schlafqualität, Burnout-Prävention, Förderung von Stressabbau und Steigerung des ganzheitlichen Wohlbefindens. Verantwortlich dafür sollen auch Verbindungen sein, die die Pflanzen ausströmen und auf den Menschen wirken. 

Waldspaziergänge an der frischen Luft tun gut, vor allem wenn man bewusst in die Natur eintaucht. Nicht umsonst wird das „Waldbaden“ gerade als neuer Trend gehypt.

Blick in den Wald mit tief stehender Sonne.
Frische Luft tut gut und ist gesund. Was man schon länger sagt, wird nun im Rahmen des Waldbadens wissenschaftlich erforscht.
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Waldbaden – in den Wald eintauchen
Im Gegensatz zum Wandern oder Spazieren gehen, gibt es beim Waldbaden kein Ziel, auf das man zusteuert. Hinter dem Konzept steht das Eintauchen in den Wald – in Japan als „Shinrin Yoku“ bekannt. Übersetzt heißt es eigentlich „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“.

Der Befriff wurde dort in den 80er Jahren ins Leben gerufen, um die japanische Bevölkerung aus gesundheitsfördernden Aspekten vermehrt in die Natur zu bringen. Seit dem ist das Thema auch in der Forschung angekommen und diskutiert die Heilkräfte der Bäume.

Wie geht es richtig?
Waldbaden ist sehr individuell. Wichtig ist es, ein ruhiges Waldstück zu finden, möglichst eben zum Dahinschlendern, nicht zu dicht bewachsen und nicht überlaufen. Dann heißt es: Tief durchatmen, die Ruhe und Stille genießen, langsam bewegen und die Natur intensiv wahrnehmen. Die Pflanzen und das flackernde Sonnenlicht durch die Baumkronen betrachten, auf die Geräusche hören und die Gerüche einatmen. Den Baum angreifen, das Moos fühlen, das Wasser im Bach spüren und die verschiedenen Beschaffenheiten ertasten. 

Man sollte mit allen Sinnen in den Wald eintauchen und die ruhige, klare Atmosphäre wahrnehmen. Achtsamkeit und bewusste Wahrnehmung stehen im Vordergrund – und nicht körperliche Anstrengung. Es gibt auch keinen Leistungsdruck, keinen Stress, keine Gedankenflut. 

Mann steht alleine in einem Wald.
Beim Waldbaden konzentriert man sich nur auf den Wald, seine Gerüche und Geräusche. Es wird nicht geredet oder auf das Handy geschaut.
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Auszeit vom Hamsterrad
Im Alltag fällt es uns oft schwer, alle Bereiche des Lebens gut zu meistern. Arbeit, Familie, Dauerstress und Reizüberflutung stehen auf der Tagesordnung. Dabei entsteht ein Bedürfnis nach digitaler Auszeit, Achtsamkeit, Einfachheit und Naturerleben.

Neben Waldbaden und achtsamen Wanderungen im Wald, sind auch bewusste Atem- und Meditationsübungen sinnvoll. Letztere intensivieren die Heilkraft des Waldes. Wie es richtig geht – wie man sich bewusst darauf einlässt – zeigt ein Natur-Coach.

Zwei Frauen stehen im Wald.
Sich intensiv auf den Wald einlassen – das steht beim Waldbaden im Vordergrund. Atem- und Meditationsübungen können das Erlebnis verstärken.
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Liebe zur Natur
Die gesundheitliche Wirkung des Waldes erforscht auch der Biologe und Autor Clemens G. Arvay seit Jahren, unter anderem in seinem Buch „Der Biophilia Effekt". Mit Biophilia ist die Liebe zur Natur gemeint, die uns Menschen angeboren sein soll. Im Wald kommunizieren Pflanzen mit unserem Immunsystem, ohne dass es uns bewusst ist und Bäume stärken Widerstandskräfte. Arvay zeigt außerdem Übungen, wie wir die Vorteile des Waldes gut für uns nutzen können.

Mehr Bäume für Städte
Laut der Medical School of Tokyo machen zehn zusätzliche Bäume in einer Wohngegend die Bewohner ihrem subjektiven Empfinden nach um bis zu sieben Jahre jünger – ein Indiz für die gesundheitlichen Vorteile von Wäldern.

Wir sehen darin eine Anregung, mehr Zeit darin zu verbringen – sei es zum intensiven Waldbaden oder auch fürs Joggen, Radeln oder Wandern. Probiert's aus!

Wald
Waldbaden nach der Shinrin Yoku-Methode soll positive Auswirkungen auf Körper und Psyche haben – am Besten einmal selbst ausprobieren!
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Wellife-Tipp:

Wer etwas Außergewöhnliches erleben möchte, kann beispielsweise auch in einem Wald übernachten oder in der Natur ähnliche Abenteuer erleben. Alastair Humphreys zeigt mit seinen Mikroabenteuern, welche kleinen großen Erlebnisse für jeden von uns vor der Haustüre – und meist in der Natur – liegen.