Kaum zu glauben, aber schon in der Antike hat man sich eingehend mit Selbstfürsorge beschäftigt. So schrieben Philosophen wie Sokrates oder Platon über Cura Sui und meinten damit so viel wie „Sorge dich um dein Selbst“. Sie riefen dazu auf, die Selbsterkenntnis in den Fokus zu rücken und sich der eigenen Denkprozesse bewusst zu sein. Heute, viele Jahrhunderte später, ist Cura Sui – oder Self Care – aktueller als je zuvor. Fast könnte man meinen, wir haben im Laufe der Zeit wieder verlernt, auf uns selbst zu achten.

Leben im Autopilotmodus

Wer kennt es nicht? Wir tun eine Sache, sind aber in Gedanken eigentlich schon bei der nächsten. Während man zum Beispiel noch beim Frühstück sitzt, denkt man bereits über die heute anstehenden Erledigungen nach. Das Smartphone ist zum Mittelpunkt unseres Lebens geworden. Unser übergeordnetes Ziel ist Effizienzmaximierung und damit einhergehend das Abarbeiten möglichst vieler Punkte unserer persönlichen To-do-Liste. Bewusstes Leben im Hier und Jetzt sieht definitiv anders aus. Dabei ist der Weg zu mehr Leichtigkeit im Leben ganz einfach: mehr Selbstfürsorge und Achtsamkeit.

Frau liegt am Bett und hat die Hände vorm Gesicht.
Stress lässt uns schnell an den Punkt kommen, wo wir das Leben, so wie es jetzt ist, in Frage stellen.
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Mehr Lebensqualität durch den Self-Care-Lifestyle

Einfach ausgedrückt heißt das volle Präsenz und ungeteilte Aufmerksamkeit, sagt die diplomierte Entspannungs- und Achtsamkeitstrainerin Tina Peinhart: „Das betrifft mehrere Ebenen; erstens die sachliche Ebene, also was passiert gerade jetzt in diesem Moment, zweitens die soziale Ebene, wenn man Mitmenschen vollständige Aufmerksamkeit schenkt, ohne mit dem Kopf woanders zu sein und die persönliche Ebene, wo man den Blick nach innen wendet und sich selbst die Frage nach dem Befinden stellt.“ Achtsamkeit und Selbstliebe, so die Expertin, sind untrennbar miteinander verbunden. „Die Welt da draußen ist ein Spiegel unserer inneren Welt: Je mehr ich mich selbst liebe, umso mehr Liebe kann ich geben und bekomme ich auch wieder zurück. Hier können anstelle von Liebe auch Wörter wie Respekt oder Akzeptanz stehen, wichtig dabei ist zu wissen: Das, was ich mir selbst gegenüber aufbringe, kann ich auch anderen schenken.“

Im Wesentlichen bedeutet das, im Alltag den Blick auf das eigene Ich zu richten und dabei auch achtsam und bewusster die Umwelt wahrzunehmen. Ein simples Beispiel sind Gespräche. Wenn wir uns auf die Unterhaltung fokussieren, wirklich zuhören und nicht noch nebenbei auf das Smartphone blicken, um nach Nachrichten oder E-Mails zu sehen, sind wir bei der Sache und nicht schon drei Schritte voraus. Wir beugen einer möglichen Reizüberflutung vor, konzentrieren uns auf uns selbst und das Gegenüber und können bewusst entscheiden, wie wir uns verhalten. Situationen werden so nach eigenem Können und Wollen gemeistert, das Gefühl der Fremdsteuerung löst sich auf.

Drei Menschen stehen zusammen und unterhalten sich.
Bei Gesprächen aufmerksam sein und wirklich zuhören, anstatt auf das Smartphone zu blicken, hilft dabei, auch das Gegenüber achtsamer wahrzunehmen.
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Das Stressniveau senken

Mit etwas Training kann dieses bewusste Wahrnehmen auch in Stresssituationen eine große Stütze sein. Es sind nämlich nicht die Situationen, die uns überfordern – eher lösen die damit einhergehenden Gefühle Stress in uns aus. Ein Beispiel: Wir wissen, wir müssen eine Aufgabe noch unbedingt erledigen. Aber ganz automatisch sträuben wir uns davor, weil wir befürchten, vielleicht nicht genug Zeit zu haben oder weil wir nicht wissen, wie. Ärger, Wut, Angst, Sorgen – all das verbraucht viel Energie und laugt aus. Wir fühlen uns gestresst. Die Lösung: Mit etwas mehr Rücksicht auf uns selbst sollten wir die Aufgabe so, wie sie ist, wahrnehmen, aber uns darauf konzentrieren, sie nicht gleich zu bewerten – dann versinken wir nicht in unbewussten Mustern, Annahmen oder Ängsten, sondern haben eher eine Lösung parat, Dinge nach unseren Möglichkeiten zu erledigen.

Positiv für den Körper & die Psyche

Nachweislich wirkt sich dieser achtsamere Lebensstil positiv auf Körper und Geist aus. Das Stresslevel sinkt, Zukunftsängste rücken in den Hintergrund. Die Produktion des Glückshormons Serotonin im Gehirn wird angekurbelt, was wiederum zu einer allgemein positiveren Lebenseinstellung führt. Darüber hinaus profitiert auch unser körperliches Wohl. Wer auf sich selbst achtet, verringert das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Selbstfürsorge im Alltag

Alles wunderbar, aber wie integriere ich das in meinen Tagesablauf, werden Sie sich fragen? Wichtig ist, neue Routinen zu schaffen. Schließlich soll Self Care nicht zu einem weiteren Punkt auf der To-do-Liste werden. Eine Umsetzung muss nicht von heute auf morgen erfolgen, besser ist es, Schritt für Schritt zu lernen, wie man mit sich selbst und seiner Umwelt bewusster umgeht, so die Achtsamkeitsexpertin. Schon mit fünf ganz einfachen Tipps für Beginner lässt sich so große Wirkung erzielen:

1. Ungeteilte Aufmerksamkeit
Schenken Sie einer Ihrer Morgenroutinen – egal ob Zähneputzen oder unter der Dusche – vollständige Aufmerksamkeit. Seien Sie bei der Sache, ohne mit den Gedanken schon einen Schritt voraus zu sein oder gleichzeitig etwas anderes zu machen. Sie üben damit das bewusste Wahrnehmen.

Frau steht vorm Spiegel und putzt sich die Zähne.
Das Einführen neuer Routinen kann schon beim Zähneputzen am Morgen beginnen.
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2. Leerlauf genießen
Sie warten auf Ihren nächsten Termin, die Verabredung, auf den Bus oder in der Schlange an der Supermarktkasse? Dann nehmen Sie genau jetzt nicht das Smartphone in die Hand. Nutzen Sie diese Zeit, um einfach einmal innere Ruhe zu finden. Auch Nichtstun will gelernt sein. Wir üben so, uns nicht schuldig zu fühlen, wenn wir einen Moment innehalten.

3. Positives schätzen
Legen Sie sich einfach Papier und Stift neben das Bett und versuchen Sie vor dem Einschlafen, den Tag Revue passieren zu lassen und etwas Positives, das Sie erlebt haben, niederzuschreiben. Auch wenn der Tag Ihrer Meinung nach nicht rund gelaufen ist, hatte er doch sicher auch etwas Gutes – selbst wenn es „nur“ das schöne Wetter war? Damit lernen wir, positiver zu denken.

4. Bewusst lachen
Lächeln Sie, auch wenn Ihnen gerade nicht danach ist. Unser Gehirn schüttet durch den fröhlicheren Gesichtsausdruck automatisch Glückshormone aus. Sie gönnen sich dadurch in nur wenigen Sekunden einen kleinen persönlichen Glücksmoment.

5. Me-time
Auch wenn es schwerfällt, versuchen Sie jeden Tag etwas Zeit für sich selbst übrig zu haben. Sport, Meditation, ein entspanntes Bad – wie Sie diese Self-Care-Momente nutzen, ist Ihnen überlassen. Die Hauptsache ist, Sie nehmen sich bewusst ein paar Minuten, denn Self Care bedeutet auch, achtsam mit dem eigenen Körper und der Seele umzugehen.

Wellife-Tipp:

All jenen, denen es schwerfällt, alleine neue Routinen in den Alltag zu integrieren, können dies auch ganz einfach in einem Workshop erlernen. Im Vorsorgeprogramm „Merkur fit4life Relax“ zum Beispiel stehen Achtsamkeit und das Loslassen und Entspannen im Alltag im Mittelpunkt. Weitere Informationen hier >