Die Spanier schwören auf ihre Siesta. In den Stunden nach dem Mittagessen lassen sie die Arbeit liegen und machen die Augen zu. Die kollektive Ruhepause hat aber nicht nur für sie Tradition. Die Japaner nennen das kurze Schläfchen zwischendurch „Inemuri“ und  praktizieren es sogar in Meetings. Auch in China gehört der Mittagsschlaf, der „Xeu-Xi“, zur Kultur. Mit Faulheit hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: Bei den meisten Menschen kommt am frühen Nachmittag der „tote Punkt“, weil das Gehirn mit weniger Sauerstoff versorgt wird. Den ziehen nämlich die Verdauungsorgane ab, die nach dem Essen auf Hochtouren arbeiten und deshalb besser durchblutet werden müssen.
Wer seinem natürlichen Biorhythmus folgt und sich kurz ausruht, statt die Müdigkeit mit Kaffee oder anderen aufputschenden Hilfsmitteln zu übertauchen, tut dem Körper etwas Gutes und fördert die Konzentrationsfähigkeit und Produktivität des Gehirns. Intuitiv wussten bereits viele um die Vorzüge des Mittagsschlafs. Der Physiker Isaac Newton soll während seiner Mittagsruhe unter einem Apfelbaum durch eine herabfallende Frucht das Prinzip der Schwerkraft erkannt haben. Auch für viele Politiker – von Margaret Thatcher bis Helmut Kohl – stand das Schläfchen als Programmpunkt auf der Tagesordnung. Salvador Dali ließ sich beim regelmäßigen Nickerchen zu seinen surrealistischen Malereien inspirieren und soll sogar einen selbsterdachten Weck-Mechanismus gehabt haben: Er hielt einen Löffel in der Hand, der ihm nach dem Einschlafen aus den Fingern glitt und ihn durch sein Klirren nach einigen Minuten wieder aufweckte.
Länger muss ein gesundes Nickerchen nicht dauern. Das ist heute wissenschaftlich erwiesen. Schon eine Schlafzeit von 20 Minuten – der sogenannte Power Nap – hilft uns enorm. Studien belegen, dass dadurch der Stresslevel sinkt, das Immunsystem gestärkt und das Herz-Kreislauf-System entlastet werden. Auch das Gehirn profitiert: Es arbeitet nach der Erholungsphase schneller, ist aufnahmefähiger und achtsamer.
Studien mit NASA-Piloten haben gezeigt, dass sich die Reaktionszeit nach dem Kurzschlaf erheblich steigert. In der US-Raumfahrtbehörde und in großen Fluggesellschaften ist das gezielte Dösen deshalb Pflicht. Davon träumt man in anderen Branchen bis jetzt freilich nur. Dennoch: Langsam aber sicher dämmert es so manchem Arbeitgeber, dass es besser ist, wenn Mitarbeiter im Büro kurz wegnicken, anstatt müde weiterzuarbeiten. Entspannungsräume oder erlaubte Ruhezeiten findet man nicht mehr nur in überdrehten Start-Ups im Silicon Valley. Das „Schlafen während der Arbeit“ ist kein Tabu-Thema mehr.

Merkur Versicherung - Frau macht Mittagsschlaf im Bett
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Wer den kurzen Mittagsschlaf tatsächlich zum effizienten Power-nap machen will,
sollte dennoch einige Dinge beachten:


Zeitpunkt
Am besten ruht man sich direkt nach dem Essen am frühen Nachmittag aus. Dann ist das Energielevel sowieso am niedrigsten. Wer später noch einnickt, läuft Gefahr, den nächtlichen Schlafrhythmus durcheinander zu bringen.
Dauer
Die ideale Zeitspanne für den Power Nap beträgt zwischen 20 und 30 Minuten. Danach wird der Schlaf zu tief und das Aufwachen umso schwerer. Also: Wecker stellen – und zwar ohne Snooze-Funktion und intensiv und kurz power-nappen! 
Atmosphäre
Besonders gut döst es sich in einer abgedunkelten Umgebung, bei angenehmer Temperatur und – wichtig – ausgeschaltetem PC. Ob mit den Füßen auf dem Tisch, dem Kopf auf den Armen – egal, solange man sich gut entspannen kann.